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25.11.2019

Wohnen in den späten Lebensjahren

Der Age Report IV greift auf Daten der vierten Age-Wohnerhebung
(2018) zurück. Schweizweit wurden insgesamt 2'676 65-jährige oder ältere Personen interviewt. Befragt wurden zwei Gruppen: Personen, die in Privathaushalten leben, sowie Bewohnerinnen und Bewohner von Altersund Pflegeheimen.

Merksätze aus der Studie: 

  • Im höheren Lebensalter leben die meisten älteren Frauen und Männer in Ein- oder Zweipersonenhaushaltungen. Im hohen Lebensalter führt primär Partnerverlust zum Alleinleben. Der Trend zu Kleinhaushaltungen dürfte sich in den nächsten Jahrzehnten fortsetzen.
  • Die Pensionierung zwingt Paare häufig zu neuen Aushandlungsprozessen der Beziehung. Fragen zum Wohnen im Alter sind oft Paarentscheide. Häufiger geworden im Alter sind Partnerschaften mit zwei Haushalten.
  • Im hohen Lebensalter variieren Haushalts- und Lebensform nach Geschlecht. Männer sind im Alter häufiger noch oder erneut verheiratet als Frauen. Verwitwung im Alter ist vor allem für Frauen ein häufiges Schicksal.
  • Ein Zeitvergleich geäusserter Einsamkeitsgefühle bei alten Menschen widerlegt, dass heute verhältnismässig mehr alte Menschen einsam sind als früher. Da es heute mehr alte Menschen gibt, ist die absolute Zahl an einsamen alten Menschen dennoch angestiegen.
  • Im hohen Lebensalter werden Menschen, die lange Zeit selbstbestimmt gelebt haben, verstärkt mit einem Wechsel in einen «Kollektivhaushalt» konfrontiert; das heisst mit einer Wohn- und Lebensform, die mit eingeschränkter individueller Eigenständigkeit und Verlust an selbstständigem Haushalten in Verbindung gebracht wird.
  • Der Anteil der stationär gepflegten Frauen und Männer steigt mit dem Alter an, aber selbst 90-jährige und ältere Menschen leben heute häufiger zu Hause, als dies früher der Fall war.
  • Die Trends gehen in die Richtung, dass nur noch pflegebedürftige alte Menschen in Pflegeheimen betreut werden. Der Ausbau ambulanter Versorgungsstrukturen kann das Eintrittsalter in ein Pflegeheim weiter erhöhen sowie die Aufenthaltsdauer in Pflegeheimen weiter verkürzen.
  • Ein Wohnungs- oder Wohnortswechsel bei gesunden Menschen zu Beginn des Rentenalters ist häufig eine selbst gewählte Strategie, um die Wohn- und Lebensqualität zu verbessern. Fragile und pflegebedürftige alte Menschen sehen sich hingegen häufiger zu einem Wohnungswechsel gezwungen, und im hohen Lebensalter wird ein Wechsel in eine Alters- und Pflegeeinrichtung häufig zum Hauptgrund für einen Wohnungswechsel.
  • Die Vielfalt an Dienstleistungs- und Pflegeangeboten kann alte Menschen und ihre Angehörigen verwirren. In der Schweiz erleben alte Menschen oft Koordinationsprobleme zum Erhalt von Hilfe.
  • Bei gutem Design und leichter Bedienbarkeit kann moderne Technologie durchaus «altersfreundlich» sein, da sich damit auch bei eingeschränkter funktionaler Gesundheit neue Handlungs- und Kommunikationsmöglichkeiten ergeben.
  • Die Technikakzeptanz bei älteren Menschen ist ansteigend, aber aktuell kommen bei ihnen erst wenige altersbezogene Technologien konkret zum Einsatz. Für einen positiven Einsatz neuer Technologien im Alter ist häufig das soziale Netz entscheidend.
  • Die Einrichtung und Nutzung eines Notrufsystems zu Hause wird – wenn überhaupt – erst für das hohe Lebensalter und beim Auftreten funktionaler Alltagseinschränkungen häufiger in Betracht gezogen.
  •  Die Frage, ob der Einsatz technischer Hilfsmittel oder ganzer Assistenzsysteme ein längeres Verbleiben zu Hause und einen späteren Eintritt in eine Pflegeeinrichtung erlaubt, kann gegenwärtig noch nicht positiv beantwortet werden.
  • In den letzten Jahren gewannen Konzepte eines betreuten Wohnens an Bedeutung. Im Idealfall bestehen betreute Wohnformen aus einer engen Verknüpfung einer hindernisfreien privaten Wohnung mit zuverlässigen Hilfe- und Serviceleistungen (wie Beratung, hauswirtschaftliche Hilfeleistungen und Pflegeleistungen).
  • Bei betreuten Wohnungen besteht der Wohnungsmix primär aus kleineren Wohnungen (2½- bis 3½-, öfters auch 1½-ZimmerWohnungen). In der Mehrheit der Fälle wird für das Wohnen mit Dienstleistungen eine Pauschale erhoben, die zusätzlich zum Mietzins bezahlt werden muss.
  • Häufig ziehen Menschen erst in eine betreute Wohnform, wenn sie die angebotenen Leistungen aufgrund funktionaler Einschränkungen wirklich benötigen. Nicht jüngere Ältere ab 65 suchen also das Wohnen mit Dienstleistungen, sondern primär hochaltrige Menschen.
  • Ambulante Pflege und betreutes Wohnen kommen bei demenziellen Erkrankungen an Grenzen, sofern nicht eine 24-stündige Betreuung vorliegt. Das Risiko einer demenziellen Erkrankung ist in hohem Masse alterskorreliert.
  • Lineare Fortschreibungen aktueller Häufigkeitsraten von Demenz sind allerdings angesichts neuer Trends problematisch. So zeigen neue Untersuchungen, dass das Risiko und die Häufigkeit demenzieller Erkrankungen bei neueren Generationen älterer Menschen sinkende Tendenzen aufweisen.
  • Viele Verhaltensprobleme und emotionale Störungen bei an Demenz erkrankten Menschen werden durch Umgebungseinflüsse, also ein der Krankheit nicht angemessen gestaltetes Milieu, verursacht. Demenzangepasste Wohnformen erlauben es demenzerkrankten Menschen, noch vorhandene Ressourcen und Kompetenzen zu mobilisieren. Wichtig sind auch geeignete Bewegungsräume, da Wahrnehmung und Bewegung eng miteinander verbunden sind.
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